Authentizität beim Yoga unterrichten

Unter YogalehrerInnen gibt es immer wieder Gespräche bezüglich des Unterrichtens– selbst "vorturnen" oder einfach durch die Reihen gehen ohne die TeilnehmerInnen in die "korrekte" Haltung zu bringen.

 

Ich frage mich selbst immer wieder: "unterrichte ich richtig? ist mein Unterricht gut? Muss ich Musik im Unterricht spielen wie andere YogalehrerInnen? Sollte ich mehr "korrigieren", so wie Andere das machen?

 

Eigentlich sage ich lieber ganz exakt in den Stunden den Ablauf an, so dass jede/r mit geschlossenen Augen an der Yogastunde teilnehmen kann. Manchmal ist es jedoch für mich einfacher, in dynamischen Abläufen selbst mitzumachen und gleichzeitig Ansagen zu machen. Ich habe für mich das Gefühl, dass beide Seiten davon profitieren- ich als Unterrichtender und auch AnfängerInnen– sie können sich dann optisch orientieren. 

Auch gibt es Unterschiede im Unterrichten je nach Gruppengröße. Ist die Gruppe klein, kann ich mehr auf Teilnehmer/innen eingehen, bei größeren Gruppen kann ich leider nicht alles überblicken und bei Allen sein. Somit arbeite ich viel mit meiner Stimme, gebe auditive Hinweise immer auf den Körper zu hören und die persönliche Grenze zu wahren.


 

 

 

Je größer die Gruppe, desto lieber unterrichte ich- jedoch kann ich dann auch nicht mehr "überall" sein.


Es gibt viele verschiedene Unterrichtsstile, in Einigen wird sehr viel korrigiert und an den TeilnehmerInnen Hand angelegt. Wenn ich selbst beispielsweise in einer Jivamukti-Klasse Teilnehmer bin, kenne ich ich das und nehme es dankbar an. In anderen Yogaschulen bei sehr ruhigen Klassen bin ich aber auch schon in die vermeintlich richtige Haltung gepresst worden, was ich dann auch aus meiner Sicht nicht annehmen konnte.

 

Wenn ich selbst unterrichte und eine gemischte Gruppe anleite, sage ich gern auch Alternativen an und gebe gelegentlich nur leichte Impulse. Unsere Körper sind alle unterschiedlich und jede/r Körper bringt andere Vorraussetzungen mit. Wer entscheidet überhaupt, was die „korrekte“ Haltung ist? Mein Yogalehrer-Handbuch? Ich denke, kleine Impulse sind ok, aber in die Haltung hineindrücken geht eben nicht und vielleicht gibt der Körper vor mir das auch gar nicht her. Wir sind alle selbst unser bester Lehrer. Durch Spüren kommen wir in unserem Körper an, gerade auch in ruhigen Stunden. Wenn ich selbst praktiziere und dann jemand an mir "rumfummelt" bin ich leider raus aus meinem Körper.


Ich habe über die Jahre viel in meinem Unterricht ausprobiert: mit und ohne korrigieren, mit und ohne Musik unterrichten, alles im Flow anleiten weil "Andere das auch so machen". 

 

Ich habe für mich festgestellt: ich bin nur ein guter Yogalehrer wenn ich authentisch bin und niemanden nachmache oder "korrigiere", weil man das halt so macht. Ich bin nicht authentisch, wenn ich mit viel Musik unterrichte, wenn ich viel "korrigiere". Es mag Menschen geben, die etwas anderes brauchen, als sie bei mir bekommen. Wenn sie mit mir darüber sprechen schicke ich sie gern in eine andere Yogaschule. Das ist authentisch.

 

Ich selbst unterrichte gern auch mit philosophischen Impulsen und Inspirationen für den Alltag in der Stunde. Ich arbeite gern mit Stimme und Armen :-) Ich gebe präzise Anweisungen, die es erlauben, mit geschlossenen Augen zu folgen. Und ich lasse genug Zeit und Raum zum Spüren. Wenn ich unterrichte bin mit ganzem Herzen bei der Sache und freue mich, wenn ich Menschen damit (be)rühren kann. 


 

 

Wir sind alle Individueen, und so wir wir JETZT sind, sind wir richtig- genau in diesem Augenblick- in DIESER Asana. Genau das möchte ich jede/r/m Einzelnen vermitteln. Dieses wahrzunehmen und anzunehmen ist authentisch.

 


 

Diese Authenzität, so, wie ich heute unterrichte, macht mich zu einem guten Yogalehrer. Ich spiele kein Theater, sondern ich unterrichte in meiner eigenen Weise. Wenn dies nicht stimmig für jemanden sein sollte: es gibt unzählige andere Yogaschulen und Kollegen.

 

 

Om Shanti, Brahmadev Frank

Kommentar schreiben

Kommentare: 0